Was du über NIS2 und DORA wissen musst
Was ist NIS2?
NIS2 erweitert den Geltungsbereich der ursprünglichen NIS-Richtlinie, um Sicherheitsstandards zu verschärfen und ein einheitliches Cybersicherheitsniveau in der gesamten EU zu schaffen. Sie verpflichtet Anbieter digitaler Dienste in „wesentlichen“ Sektoren (wie Gesundheitswesen, Energie, Verkehr, Finanzen und digitale Infrastruktur) sowie „wichtigen“ Sektoren (wie Postdienste und Abfallwirtschaft), robuste Maßnahmen zum Schutz kritischer Dienste zu ergreifen. Diese Maßnahmen betreffen die Reaktion auf Vorfälle, das Risikomanagement, die Sicherheit der Lieferkette und den Informationsaustausch.
Was ist DORA?
DORA konzentriert sich spezifisch auf den Finanzsektor. Die Verordnung verpflichtet Banken, Investmentfirmen, Zahlungsdienstleister und andere Finanzinstitute dazu, sicherzustellen, dass sie IT-gestützten Bedrohungen standhalten, darauf reagieren und sich davon erholen können. Zu den Maßnahmen gehören Cybersicherheit, Kontinuitätspläne und Reaktionsstrategien. Ein großer Schwerpunkt liegt auf dem Drittpartei-Risikomanagement – also der Sicherstellung, dass auch externe IT-Dienstleister dieselben hohen Standards erfüllen.
Wann treten NIS2 und DORA in Kraft?
NIS2 wurde 2022 von der EU verabschiedet. Bis Oktober 2024 mussten alle Mitgliedstaaten die Richtlinie in nationales Recht umsetzen (in Deutschland durch das NIS2-Umsetzungsgesetz) – sie ist also bereits in Kraft. DORA wurde ebenfalls 2022 verabschiedet und tritt am 17. Januar 2025 vollständig in Kraft. Bis zu diesem Datum müssen Finanzinstitute compliant sein.
Warum sind NIS2 und DORA so wichtig?
Die Priorisierung dieser Regulierungen ist kein „Nice-to-have“, sondern essenziell. Wenn du ein EU-Unternehmen bist oder ein Nicht-EU-Unternehmen, das Kunden in der EU bedient, gelten höchstwahrscheinlich einige dieser Vorschriften für deine Organisation.
Bei Compliance geht es nicht nur darum, Bußgelder zu vermeiden – obwohl Verstöße zu erheblichen Strafen und Betriebsbeschränkungen führen können. Es gibt viele weitere Gründe, sich an die Regeln zu halten:
- Cybersicherheitsrisiken minimieren: Schütze dein Unternehmen vor Ransomware, Datenschutzverletzungen und Angriffen auf die Lieferkette.
- Vertrauen bei Kunden und Stakeholdern aufbauen: Zeige dein Engagement für Sicherheit und Zuverlässigkeit.
- Operative Resilienz stärken: Werde widerstandsfähiger gegen Störungen und Instabilitäten in der Lieferkette.
- Wettbewerbsfähig bleiben: Compliance kann ein Differenzierungsmerkmal sein, das neue Partnerschaften ermöglicht.
- Interne Prozesse optimieren: Implementiere Best Practices vom Service-Management bis zur Governance.
- EU-weite Standards einhalten: Reduziere die Komplexität bei grenzüberschreitenden Aktivitäten.
So stellst du Compliance sicher
Der strategische Ansatz für Cybersicherheit und Risikomanagement hilft dir, deine Verpflichtungen zu erfüllen.
Für die NIS2-Compliance:
- Einstufung prüfen: Kläre, ob deine Organisation als „wesentlich“ oder „wichtig“ gilt.
- Risikomanagement-Framework: Implementiere Systeme zur Bedrohungserkennung und Vorfallsreaktion.
- Strukturierte Incident Response: Etabliere klare Rollen und Berichtsverfahren, die die engen NIS2-Zeitvorgaben einhalten.
- Lieferkettensicherheit: Überprüfe die Sicherheitspraktiken deiner Lieferanten.
- Schulungen: Trainiere dein Team im Bereich Bedrohungsbewusstsein.
- Informationsaustausch: Arbeite mit Branchenkollegen und Behörden zusammen, um Bedrohungsinformationen zu teilen.
Für die DORA-Compliance:
- Strategie für digitale Resilienz: Identifiziere IT-Risiken und erstelle Wiederherstellungspläne.
- Drittpartei-Risikomanagement: Überwache externe IT-Anbieter und setze DORA-Standards vertraglich durch.
- Überwachungssysteme: Etabliere Systeme zur rechtzeitigen Erkennung von Cybervorfällen.
- Resilienz-Tests: Führe Penetrationstests und Disaster-Recovery-Übungen durch.
- Verantwortlichkeiten klären: Benenne ein Team oder eine Person für die DORA-Compliance mit klaren Aufsichtsprozessen.
- Spezifisches Training: Schulung zu Risiken wie Phishing, Ransomware und Social Engineering.
Wie Service-Management die Compliance erleichtert
ITSM-Praktiken und -Tools (wie ITIL4) helfen dabei, einen systematischen Ansatz für den IT-Betrieb aufzubauen. Das macht es deutlich einfacher, die von den Regulierungen geforderten Sicherheits- und Berichtsstandards umzusetzen.
Ein Beispiel: Incident Management Sowohl NIS2 als auch DORA haben strikte Meldepflichten. ITSM-Frameworks helfen dir dabei:
- Prozesse für das Vorfallsmanagement klar zu definieren.
- Behörden fristgerecht gemäß den Vorschriften zu benachrichtigen.
- Automatisierte Warnmeldungen bei Dienststörungen zu erhalten.
- Wiederherstellungszeiten präzise vorherzusagen.